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Die Geschichte meiner strapaziösen Familie

Autorin: Adriana Altraras

Verlag: Kiepenheuer & Witsch, ISBN: 978-3-462-04297-9, € 19,90

 

Klappentext:

Mit furiosem Witz und großer Wärme verwebt Adriana Altaras Gegenwart und Vergangenheit. In eindringlichen Episoden erzählt sie von ungleichen Schwestern, von einem Vater, der immer ein Held sein wollte, und von einer Mutter voller Energie und Einsamkeit. Vom Exil, von irrwitzigen jüdischen Festen, von einem geplatzten italienischen Esel und einer Stauballergie, die ihr das deutsche Fernsehen einbrockte - und von den vielen faszinierenden Mosaiksteinen, aus denen sich ein Leben zusammensetzt.
Eine außergewöhnliche Familiengeschichte, die ihre Spuren quer durch Europa und das bewegte 20. Jahrhundert zieht - um wieder in der Gegenwart anzukommen und eine ebenso kluge wie hellsichtige Zeitdiagnose zu liefern. Unwiderstehlich witzig, anrührend und unvergesslich.

 

 

 

Zum Buch:

 

Leichtfüßig kommt ihr Schreibstil für den Leser daher, als würde sie nur beiläufig erzählen, was ihr gerade durch den Kopf geht. Welche Gedanken sie befallen,  als sie nach dem Tod ihres Vaters in dessen Nachlass stöbert: Ein Kaleidoskop der Erinnerungen, liebevoll und  kunstvoll zusammengefügt, eine jüdische Familienhistorie im Spiegel der jüngeren Geschichte, aber es warten auch einige unangenehme Überraschungen. Familiengeheimnisse, zu deren Aufdeckung sich der Vater zwar mehrfach aufraffte, es aber dann immer wieder vor sich her schon bis es zu spät war. Der Vater muss ein eindrucksvoller Mann gewesen sein: jugoslawischer Jude, Partisan und Parteifunktionär unter Tito, Oberarzt am Uniklinikum in Gießen, Bundesverdienstkreuzträger, Vater zweier ehelicher und einer unbekannten Zahl unehelicher Kinder, Frauenschwarm, Geschichtenerzähler.

 

In der Familie Altaras herrscht  kein Mangel an eindrucksvollen Persönlichkeiten. "Die Geschichte meiner strapaziösen Familie" lautet nicht zu Unrecht der Untertitel des Buches. Strapaziös  und manchmal Nervenaufreibend vielleicht, aber auf unterhaltsame Weise. Die Offenheit, mit der Adriana Altaras über ihre Familie schreibt, macht den Leser schon bald zum Teil derselben. Ihr Mann Georg, mit dem sie, wenn man auf die Meinung der Familie vertraut, nur zufällig verheiratet ist "weil er sie als einziger auf Dauer ausgehalten hat", die schwierige, engagierte Mutter, die jugoslawische Halbschwester, welche mit unzähligen Kartons väterlicher Erinnerungsstücke nach der Beerdigung in den Bus nach Zagreb steigt. Es wäre vermessen zu behaupten, Adriana Altaras selber sei nicht anstrengend. In der ihr eigenen koketten Anspielung auf Georg ist mehr als nur ein Körnchen Wahrheit. Verwunderlich ist das nicht,  gehört sie doch zur ersten Nachkriegsgeneration und auf ihren Schultern lastet die Geschichte ihrer jüdischen Familie und die Psychosen der Überlebenden gleichzeitig. Adriana Altara nimmt ihr Schicksal in die Hand und wendet es zu ihrem Besten. Mit "Titos Brille" hat sie ihrer Familie ein würdiges und ehrliches Denkmal gesetzt und sich selber so manchen inneren Zwiespalt von der Seele geschrieben. Es entstand ein wunderbares Bild jüdischen Lebens, welches auf humorvolle und berührende Art den Leser an sich bindet und Teil der Familiengeschichten werden lässt.

 

 

 

Über die Autorin:

 

Adriana Altaras wurde 1960 in Zagreb/Kroatien geboren. 1964 Umzug nach Italien, ab 1967 Schulbesuch in Deutschland und Italien. 1979 Abitur in Marburg, Hessen.  1979-83 Studium an der Hochschule der Künste, Berlin. Dort Abschluss als diplomierte Schauspielerin. 1983-84 Aufbaustudium an der New York University, theatre wing. Ab 1984 Mitbegründerin des Off-Theaters „Zum Westlichen Stadthirschen“, Berlin, dort tätig als Autorin/ Schauspielerin/Regisseurin bis 1991. Ab 1992 Dozentin für Schauspiel an der Hochschule der Künste, Berlin, Studiengang Musical/Show. Mitarbeit in der Shoah Foundation Steven Spielberg. Künstlerische Leitung der Jüdischen Kulturtage 2002 in Berlin. Sie lebt in Berlin und hat zwei Söhne Aaron und Lenny.

Sie erhielt unter Anderem folgende Auszeichnungen: 1988 Bundesfilmpreis. 1989 Golden Horse Award for Best Foreign Actress, Taiwan. 1993 Theaterpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. 1999 – 2. Publikumspreis Friedrich Luft, Berlin für „La Sorella Amante“ von Joh.A.Hasse in der Neuköllner Oper, Berlin. 2000 Silberner Bär für schauspielerische Leistungen, Berlinale.
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