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Ingrid Schramm (Herausgeber), Michael Hansel (Herausgeber)

Verlag: Studienverlag ISBN-10: 370655058X, ISBN-13: 978-3706550581, € 26,90

Klappentext:

Die Wienerin und Exilengländerin Hilde Spiel wurde durch ihre vielfältigen Aktivitäten zur Grande Dame der österreichischen Literatur. Für Heimito von Doderer waren ihre Rezensionen Kunstwerke. Thomas Bernhard war sie eine literarische Freundin und Theodor Kramer verdankte seine Rückkehr aus dem Exil ihrer hartnäckigen Initiative. Ihr 100. Geburtstag dient als Impuls, nicht nur das Wirken Hilde Spiels zu beleuchten, sondern auch ihr gesellschaftliches Leben. In ihrem Salon in Berlin während der Besatzungszeit und später auf ihrem Sommerwohnsitz in St. Wolfgang waren zahlreiche Protagonisten der literarischen Szene zu Gast. Hilde Spiel nannte sie eine Wendung von Elias Canetti aufnehmend eine dampfende Namensküche . Als vielgereiste Journalistin, u.a. der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, war es Spiel wichtig, Anschluss an eine literarische Weltfamilie zu finden. Ihr rastloses Unterwegssein bot ihr viele Gelegenheiten, als Förderin und Networkerin zu wirken.

 

Zum Buch:

Als Hilde Spiel 1990 verstarb wurde das literarische Leben in Österreich um eine große Persönlichkeit ärmer. Stets hatte es die in Wien geborene, Schriftstellerin und Publizistin verstanden, mit ihren Arbeiten Akzente zu setzen, gleichwohl asie mit ihren Ansichten polarisierte. Ob sie dies als Übersetzerin und Autorin oder als Kulturkorrespondentin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tat, immer wieder rückte die 1936 nach England Emigrierte, 1963 endgültig wieder nach Österreich Zurückgekehrte in den Mittelpunkt des Interesses. Ihrem Freund Friedrich Torberg blieb sie über seinen Tod hinaus verbunden, Thomas Bernhard war sie erste Förderin, den großen Dichterinnen Ilse Aichinger und Ingeborg Bachmann freilich stand sie ambivalent gegenüber. Ebenso Elias Canetti, dessen Hang zur Selbstinszenierung sie durchaus im eigenen erkannte, oder Alexander Lernet-Holenia, dem sie im Jahr 1972 als PEN-Präsidentin folgen wollte, was aber scheiterte.

So vertiefen die Beiträge von Wegbegleitern, Kritikerinnen und Wissenschafterinnen das Verständnis für Hilde Spiels Wirken nachhaltig. Unter Zugriff auf den im Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek befindlichen und für die Publikation zur Verfügung gestellten Nachlasses Spiels entsteht das Bild einer Persönlichkeit aus der Perspektive ihres Wirkens im literarischen Salon. Früh schon wusste Spiel sich Netzwerken zu bedienen, sie später ehrgeizig auszubauen, was zu ihrem literarischen Salon im Berlin der Nachkriegszeit, danach zu jenem an ihrem Sommerwohnsitz in Sankt Wolfgang führte. Rückblickend hatte Spiel ihre Berliner Jahre als "reichste, vielfältigste und spannendste" Lebensphase bezeichnet, es war aber wohl auch eine der schwierigsten Jahre in ihrem Leben gesehen.

Berlin war das Sprungbrett zur Karriere, 1947 wurde Spiel Theaterkritikerin für die Welt, mit ihrem Mann bewohnte sie eine herrschaftliche Residenz: Illustre Gäste fanden sich ein im literarischen Salon. Das gesellschaftliche Leben fand bald nach ihrer Rückkehr aus dem Berliner Exil seine Fortsetzung. Ein Spaziergang durch das Gästebuch von St. Wolfgang führt nicht nur vor Augen, welche Persönlichkeiten sich ab Mitte der 1950er-Jahre in Spiels "dampfender Namensküche" im Salzkammergut ein Stelldichein gaben, sie zeigen auch auf, welche Mittel Spiel einsetzte oder einsetzen musste, um den so erstrebten Anschluss an die "literarische Weltfamilie" zu finden. Dieser Anschluss war auch über die Kaffeehäuser möglich, schon früh war Hilde Spiel ein Teil der Wiener Kaffeehausliteraturszene. Wie lange Letztere aber als intellektueller Raum nur Männern offenstand, wird im Buch aufgezeigt wie sich Spiels Leben zwischen Kaffeehaus und Salon abspielt, es zeigt auch auf, wie Frauen in der Memoirenliteratur marginalisiert wurden - und dass auch Spiel in ihren eigenen Erinnerungen immer wieder zeittypische Männerperspektiven übernahm. Viele Jahrzehnte lang berichtete Hilde Spiel über die Salzburger Festspiele, nahm teil am mondänen Leben der "Mozartstadt", besuchte oft das Café Bazar. Spiels Verhältnis zu Ingeborg Bachmann, über das zu Gottfried von Einem, aber auch über ihre Stellung zur Entwicklung bei den Salzburger Festspielen in der Ära Karajan werden im Buch nicht außer Acht gelassen. Denn "Hilde Spiel und der literarische Salon" zeichnet sich mehrfach aus: In einer gelungenen Melange aus wissenschaftlichen Beiträgen und persönlichen Annäherungen zeigt diese Buch die Schriftstellerin, Publizistin und Netzwerkerin Hilde Spiel in all ihren Facetten.

 

Über die Autoren/Herausgeber:

Ingrid Schramm,geboren in Wien, studierte Theaterwissenschaft (Abschluss mit Doktorat an der Universität Wien), Rechtswissenschaft und Graphik. Danach Journalistin u.a. beim Kurier, bei Die ganze Woche und im ORF. Seit 1992 wissenschaftliche Mitarbeiterin des Literaturarchivs der Österreichischen Nationalbibliothek. Romanautorin (zuletzt: Die Liebespriesterin), Herausgeberin literaturwissenschaftlicher Bücher (u.a. Hilde Spiel – Weltbürgerin der Literatur) und Malerin.

Michael Hansel,geboren 1972 in Neunkirchen/NÖ. Promovierter Literaturwissenschaftler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek, zahlreiche Aufsätze zur österreichischen Literatur im 20. Jahrhundert, Literaturkritiken in verschiedenen Medien.

Hilde_Spiel_und_der_litararische_Salon

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